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Fehler! Irrtümer, Täuschungen und Korrekturen
Forum Basiliense Jahresthema 2027:
Fehler! Irrtümer, Täuschungen und Korrekturen
Zu jedem Arbeitsprozess, jeder wissenschaftlichen Problemstellung gehört er irgendwann unweigerlich hinzu: der Auftritt des ersten grossen Fehlers. Irren ist menschlich, besagt ein lateinisches Sprichwort. Das Duo von Trial and Error, Versuch und Irrtum, ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Methoden für die neuzeitlichen Erkenntnisfortschritte in Technik und Wissenschaft. Doch längst nicht jede Art von Fehler geschieht aus wohlmeinender Absicht, ist unvermeidlich oder gar legitim. In jede relevante gesellschaftliche Praxis schleichen sich mit der Zeit auch arglistige Täuschungsversuche und Betrugsmanöver ein, welche dann wiederum die Frage nach intakten Warnsensorien und Kontrollmechanismen aufwerfen. Trotz der enormen Bedeutung der stets aktiven Firma Fehler, Irrtum, Täuschung & Coaber zeigt sich: Es wird erstaunlich selten systematisch und disziplinen-übergreifend über die Kategorie des Fehlers in ihren historischen Dimensionen, Erscheinungsformen und sozialen Konsequenzen nachgedacht.
An dieser Stelle setzt das Jahresthema 2027 des Forum Basiliense an. Das Forum lädt junge WissenschaftlerInnen aller Disziplinen (Naturwissenschaften, Geisteswissenschaften, Medizin, Psychologie, Theologie, Rechts und Wirtschaftswissenschaft) und aus unterschiedlichsten Regionen und Kontexten ein, sich mit ihren Fragestellungen und Projekten in das gemeinsame Nachdenken über Fehler und Irrtümer, Täuschungen und Korrekturen einzubringen. Über zwei Semester verteilt werden im akademischen Jahr 2027 zwei Gruppen von Junior Fellows und Senior Guests mit ihren Einzelprojekten, ferner auch öffentliche Kolloquien, einer Vorlesungsreihe und weitere Aktivitäten den vielfältigen Aspekten der Fehler-Forschung nachgehen.
Eine interdisziplinär breit aufgestellte Debatte kann unterschiedliche Arten und Kategorien von Fehlern vergleichend gegeneinanderstellen, die jeweilige ›Logik‹ von geschehenen Irrtümern, Fehleinschätzungen und Missgriffen beschreiben und daraus Einsichten ableiten, die für eine gebündelte, innovationsfreudige Erforschung von Fehler-Dynamiken hilfreich sind.
Wichtig ist hierbei auch die Gewinnung einer historisch tiefgreifenden, kulturell differenzierten Perspektive. Haben sich bestimmte Gesellschaften, Epochen, geistige und religiöse Ausrichtungen durch die Entwicklung besonderer Techniken und Regeln im Umgang mit Fehlern ausgezeichnet? Wie breit ist zu unterschiedlichen Zeiten das Spektrum der Irrtumsanfälligkeit, und wie sehen jeweils die Sanktionen bei unterlaufenen Fehlern aus? Gibt es geschichtliche Beispiele für fatale Irrtümer und mutwillige Täuschungen, die für heutige Einsichten besonders ergiebig sind? Welche Fehler können auf einem bestimmten Kenntnisstand als unvermeidlich gelten, und an welchen Stellen sind Herrscherdynastien, Nationen oder wissenschaftliche Einrichtungen wirklich ›falsch abgebogen‹?
Heutzutage stellt sich in allen Institutionen, Firmen, politisch-administrativen Entscheidungsprozessen und wirtschaftlichen Arbeitsabläufen die Frage nach der «Fehlerkultur» der jeweiligen Einrichtung. Ist es niederschwellig möglich, Fehler einzugestehen? Gibt es frühzeitig eingreifende Kontrollmechanismen? Sind die Prozesse so organisiert, dass es möglich ist, geschehene Fehleinschätzungen, unterlaufene Missgriffe oder die Hemmnisse durch hartnäckige Täuschungen nicht nur als unangenehme Niederlagen zu betrachten, sondern zugleich als eine wichtige Quelle des Lernens zu nutzen?
Das Vermeiden-Wollen von Fehlern ist stets ein nachvollziehbares, berechtigtes Anliegen; und verständlich ist auch der Impuls, das Eingeständnis eigener Fehler lieber zu umgehen. Dennoch kann das nicht die alleinige Maxime wissenschaftlichen oder sozialen Handelns sein ― gerade, weil jeder substantielle Fehler auch enorme Potentiale an Lerneffekten und Verbesserungsmöglichkeiten birgt. In Anlehnung an einen von Ökonomen geprägten Slogan liesse sich formulieren: Never waste a good mistake.