Dr. Anna Schwenk

[Translate to Deutsch:] Dr. Anna Schwenk

Was bedeutet das Thema „Konflikt und Kooperation“ für Sie?

Im Gegensatz zu Krieg und Frieden glaube ich, dass Zusammenarbeit und Konflikte sich nicht ausschliessen. Tatsächlich geht Zusammenarbeit oft mit Konflikten einher. Es gibt kaum eine dauerhafte Zusammenarbeit, bei der die Beteiligten nicht auch mit den gegensätzlichen Standpunkten der anderen Seite umgehen müssen.

 

Welche Rolle spielt dieses Thema in Ihrer Arbeit?

Zusammenarbeit und Konflikt sind ein grundlegendes Thema des soziologischen Denkens. „Unter welchen Bedingungen arbeiten Menschen zusammen?“ ist eine klassische soziologische Frage, die beispielsweise Émile Durkheims Schriften zur sozialen Solidarität prägt. Für meine eigene Arbeit war die damit verbundene Frage „Wie entsteht ein Gruppengefühl?“ von grundlegender Bedeutung. In meinem Buch „Flexible Authoritarianism“ untersuche ich, wie junge, ambitionierte Russen bei staatlich organisierten Veranstaltungen die patriotischen Ideale eines technisch modernen, aber kulturell neotraditionellen Russlands wahrnehmen und diese Ideale in verschiedenen Bestrebungen nach sozialem Wandel miteinander verknüpfen. Wie ich zeige, gestalten viele gemeinsam eine von der Regierung geförderte Form des bürgerlichen Lebens mit, beispielsweise durch digitalen Aktivismus, der patriotische Ideale widerspiegelt.

 

An welchen Projekten werden Sie während Ihres Stipendiums am Forum Basiliense arbeiten?

Der Schwerpunkt meines Stipendiums liegt auf der Entwicklung einer systematischen Methodik zur multimodalen Analyse von Musikvideos. Unter „multimodal“ verstehe ich die Analyse des Zusammenspiels von Ton, bewegten Bildern und Liedtexten. Insbesondere wenn die politische Wirkung digitaler Inhalte untersucht wird, stand in der bisherigen Forschung der Fokus vorrangig auf den Liedtexten. Dies ist möglicherweise zu einschränkend, da es der multisensorischen Erfahrung der Social-Media-Nutzer nicht gerecht wird. Mein Projekt wird von der Frage geleitet, wie solche Inhalte Gruppengrenzen verstärken und sogar Krieg legitimieren können. Gleichzeitig kann das musikalische Erlebnis jedoch genau die Voraussetzungen für die Entstehung eines Gruppengefühls schaffen, das stattdessen die Zusammenarbeit fördert.

 

Nach oben